Gute Nachricht

Zusage für dich

Vor Gott brauchst du keine Fassade

Jesus wendet sich Menschen zu, die ihre Bedürftigkeit kennen. Gnade heißt: Gottes Hilfe lässt sich nicht erarbeiten. Ehrlichkeit öffnet dich dafür, sie anzunehmen.

Verzichte heute auf eine Ausrede und bitte ehrlich um Verzeihung.

  • Lukas 18,9–14
  • Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1996
Frau im antiken Garten vor einer geöffneten Tür in der Nacht
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📖 „ER KÜSSE MICH!“ – DIE FRAU, DIE IHREN GELIEBTEN SUCHT

Eine Frau liegt nachts wach und wartet auf den Mann, den sie liebt. Sie hört seine Stimme, steht zu spät auf und läuft durch die Stadt, bis aus ihrer Suche ein Gebet wird. Vielleicht erkennst du darin deine eigene Sehnsucht nach Gott.

📖 Hld 1–81. August 2026

Die Tür, an die er klopft

Es ist Nacht. Eine Frau liegt im Bett, während ihr Geliebter an die Tür klopft; Regen läuft über seinen Kopf. Er ruft nach ihr und wartet draußen, aber sie steht nicht sofort auf.

Dann zieht sie sich doch etwas über und geht zur Tür. Zu spät: Der Geliebte ist weg. Seine Hand hat den Riegel schon berührt, sein Duft hängt noch am Holz, aber draußen ist niemand mehr.

Sie läuft durch die Straßen und fragt die Wachen, ob sie ihn gesehen haben. Die Wachen schlagen sie und nehmen ihr den Mantel weg. Trotzdem sucht sie weiter und ruft andere Frauen zu Hilfe: Wenn sie meinen Geliebten finden, sollen sie ihm sagen, dass sie krank ist vor Liebe.

„Mein Geliebter klopft.“ (Hld 5,2)

Das ist die Handlung des Hohenlieds, des Lieds der Lieder: Eine Frau wartet, hört, zögert, verliert und sucht. Der Geliebte ist kein Gedanke in ihrem Kopf, er kommt zu ihr. Er klopft und geht wieder, wenn sie zu lange braucht.

Die Spannung liegt deshalb nicht nur darin, ob die beiden sich lieben. Das wissen sie längst. Die Frage lautet: Wird sie ihn wiederfinden, bevor die Nacht vorbei ist, und was geschieht mit einer Liebe, die einen Menschen aus dem Bett und auf die Straße treibt?

Sie sucht den, den ihre Seele liebt

Die Frau kennt dieses Verschwinden schon: „Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht“ (Hld 3,1). Sie wartet nicht passiv auf ein Gefühl, sondern steht auf, geht durch die Stadt und fragt jeden, der ihr begegnet.

Als sie ihn endlich findet, hält sie ihn fest. Dann beginnt die Suche wieder, und das Hohelied erzählt Liebe als Bewegung: Nähe wird geschenkt, Entfernung bricht herein, und die Antwort des Herzens besteht darin, weiterzugehen.

Nina Sophie Heereman, eine Bibelwissenschaftlerin, liest diese Bewegung in ihren Schriftmeditationen als Bild der Liebe zwischen Gott und dem Menschen. Ihre Titel treffen den inneren Ruf des Buches: „Gott will in dir wohnen“ und „Steh auf, komm!“ Gott bleibt dort nicht eine Idee, über die jemand spricht, sondern kommt selbst und wartet auf eine Antwort.

Die christliche Allegorie öffnet ein zweites Bild: Eine konkrete Geschichte steht zugleich für Gottes Liebe. Die Frau bleibt eine Frau, ihr Geliebter bleibt ein Geliebter, und zugleich kann er für Christus stehen, der den Menschen sucht. Die Tür wird zum Ort der Antwort; sie kann geöffnet werden oder geschlossen bleiben.

Andreas Schmidt beschreibt in seiner geistlichen Auslegung des Hohenlieds die menschliche Werbung als Bild für Gottes Liebe. Die Liebe zwischen zwei Menschen steht dabei nicht im Weg. Sie wird zum Weg, auf dem sichtbar wird, wie Gott den Menschen umwirbt, ihn umschließt und zur Vereinigung mit sich führt.

Darum ist die Suche der Frau mehr als eine hübsche Liebesgeschichte. In ihrer Unruhe liegt eine Frage, die du kennst: Was geschieht, wenn Gott dich besucht und du den Augenblick verpasst? Hörst du noch, dass er gerufen hat, wenn nur sein Duft an der Tür geblieben ist?

Der Körper spricht zuerst

Das Hohelied antwortet nicht mit einer Erklärung. Es lässt die Frau sagen: „Er küsse mich mit dem Kuss seines Mundes“ (Hld 1,2). Ihr erster Satz ist eine Bitte um Nähe, ausgesprochen mit Lippen, Atem und Haut.

Der Kuss ist deshalb kein Schmuck am Rand des Buches. Er gibt die Richtung vor: Liebe will nicht nur bewundert oder verstanden werden. Sie will ankommen, den anderen berühren und von ihm berührt werden.

Johannes Paul der Zweite, Papst von 1978 bis 2005, las das Hohelied als Lob der leiblichen Liebe zwischen Mann und Frau. Für ihn ist der Körper keine Verpackung einer geistigen Botschaft, sondern in den Worten und Gesten der Liebenden wird sichtbar, dass zwei Personen einander frei erkennen und sich einander schenken können. Gerade darum kann ihre Liebe zum Bild des Bundes werden, den Gott in Christus schenkt.

Die Frau im Hohelied ist dabei keine stumme Figur: Sie begehrt, entscheidet, ruft und läuft. Sie beschreibt den Körper des Geliebten, und er beschreibt ihren. Das kleine Wort „und“ in „Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein“ (Hld 2,16) hält die Liebe offen: Beide gehören zueinander, keiner wird zum Besitzstück des anderen.

Auch die erotischen Bilder bleiben stehen. Ein Garten wird verschlossen genannt, und die Frau ruft: „Mein Geliebter komme in seinen Garten“ (Hld 4,16). Der Text schämt sich nicht vor dem Körper und lässt die Sehnsucht so lange sprechen, bis du merkst, dass der Mensch Gott nicht mit einem körperlosen Teil von sich empfängt.

Im christlichen Lesen führt diese Spur weiter. Gott will nicht nur, dass du etwas über ihn weißt, sondern dir nahekommen. Er klopft an eine wirkliche Tür: an dein Gedächtnis, an deine Wunde, an deine Freude, an den Ort, an dem du dich vor Nähe schützt.

Der Kuss, den du empfängst

Die heilige Kommunion führt diese Bewegung in die Mitte des christlichen Lebens. Die Eucharistie, das Sakrament, in dem Christus sich seiner Kirche unter den Gestalten von Brot und Wein schenkt, ist nach dem Katechismus Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens. Hier bleibt Gottes Besuch nicht bei einem Bild.

Thérèse von Lisieux, die kleine Thérèse, empfing am 8. Mai 1884 ihre erste Kommunion. Später beschrieb sie diesen Tag als den ersten Kuss Jesu für ihre Seele, als Kuss der Liebe. Sie nahm die Sprache des Hohenlieds und machte daraus ihre Antwort: „Ich liebe dich, ich schenke mich dir für immer.“

Das Bild meint den Empfang Christi, nicht einen körperlichen Vorgang; die Kommunion bleibt Sakrament und ist kein Ersatz für menschliche Liebe. Gerade deshalb darf Thérèses Bild so nah an den Lippen bleiben: Der Geliebte kommt nicht nur in einer Erinnerung vorbei, er gibt sich.

So verbindet das Hohelied Erde und Himmel. Auf der Erde beginnt die Liebe mit einem Ruf, einer Tür und einem Körper, der sich nach einem anderen sehnt. Im Himmel wird sie vollendet, weil Gott selbst die Antwort ist, nach der die Frau durch die Nacht läuft; die Kommunion ist ein Vorgeschmack dieser Vereinigung.

Am Anfang war der Geliebte vor der Tür. Am Ende steht die Frage bei dir. Vielleicht kommt er heute durch ein Wort der Bibel, durch die Kirche, durch die heilige Kommunion oder durch einen Menschen, der deine verschlossene Tür nicht aufgibt, und du musst nur hören, wer klopft.

„Die Liebe ist stark wie der Tod“ (Hld 8,6). Das Hohelied sagt diesen Satz nicht über ein Gefühl, das schnell wieder verschwindet. Es sagt ihn über eine Liebe, die sucht, wartet, verwundet wird und dennoch wiederkommt.

Der Geliebte steht vor der Tür. Du darfst öffnen.

Quellen

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🖼️ Titelbild KI-generiert · Gekennzeichnet nach AI-Act
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