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Die Menge wollte ihn stoppen – Jesus blieb stehen

Der blinde Bartimäus rief trotz der schimpfenden Menge weiter. Jesus hörte ihn, fragte nach seinem Wunsch und heilte ihn.

Höre heute auf den Menschen, den andere zum Schweigen bringen.

  • Markus 10,46–52
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🕊️ EIN FISCHER LÄUFT AUF DEM WASSER – UND GEHT DANN UNTER

Drei Uhr nachts, das Boot kommt seit Stunden nicht vom Fleck, der Wind steht dagegen. Dann sieht einer der Männer eine Gestalt auf dem Wasser und steigt aus. Was ihn danach sinken lässt, kennst du aus deinem eigenen Alltag.

📖 Mt 14,22–339. August 2026

Vierte Nachtwache

Es ist irgendwann zwischen drei und sechs Uhr morgens. Die Römer teilten die Nacht in vier Wachen zu je drei Stunden ein, und die vierte ist die letzte vor dem Hellwerden. Genau dort setzt der Bericht ein.

Das Boot ist längst weit vom Ufer weg, die Wellen schlagen von der Seite dagegen, und der Wind steht seit Stunden von vorn. An den Rudern sitzen Berufsfischer, die diesen See seit ihrer Kindheit kennen, und sie kommen trotzdem nicht vom Fleck. Seit dem Abend rudern sie gegen etwas an, das sich nicht wegrudern lässt.

Dann sieht einer von ihnen etwas auf dem Wasser gehen, eine Gestalt, die sich zwischen den Wellen bewegt. Sie schreien vor Angst: „Es ist ein Gespenst!“ (Mt 14,26)

Aus dem Dunkeln antwortet eine Stimme. „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (Mt 14,27) Beruhigt hat das zunächst niemanden, denn eine Stimme über dem Wasser macht eine solche Nacht nicht heller.

Er steigt aus

Petrus, einer der Fischer, will es genau wissen. Wenn du es bist, sagt er, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen. Er verlangt einen Beweis, und zwar einen, für den er selbst nass werden kann.

Die Antwort besteht aus einem einzigen Wort. „Komm!“ (Mt 14,29) Er klettert über den Rand des Bootes, setzt einen Fuß auf das Wasser und geht darauf zu.

Dann bemerkt er den heftigen Wind, bekommt Angst und beginnt zu sinken. Sein Gebet ist drei Wörter lang: „Herr, rette mich!“ (Mt 14,30) Eine Hand greift sofort zu und zieht ihn heraus.

Ein Wort, das kein Vorwurf ist

Was danach gesagt wird, klingt beim schnellen Lesen nach Abfuhr. Bleib einen Moment bei diesem einen Wort stehen, denn im Text steht nicht der schärfere Ausdruck, den man erwarten würde.

Nicht: „Du Ungläubiger.“ Sondern: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ (Mt 14,31)

Kleinglaube ist nicht Unglaube, sondern der Glaube dessen, der ausgestiegen ist, und nur wer aussteigt, kann überhaupt untergehen. Die anderen sind im Boot geblieben und trocken. Bleibt die Frage, warum er den Wind nicht einfach vorher gelegt hat.

Auf dem Berg, rund achthundert Jahre früher

Vor dem Evangelium hört die Gemeinde an diesem Sonntag von einem Mann am Ende seiner Kraft. Elija, ein Prophet aus dem neunten Jahrhundert vor Christus, ist vor einer Königin geflohen, die ihn töten lassen will. Er hat sich in eine Höhle am Berg Horeb verkrochen und will nicht mehr weiter.

Dann zieht ein Sturm vorbei, der die Felsen zerbricht. Danach kommt ein Erdbeben, danach ein Feuer. Es ist die volle Bandbreite dessen, was Menschen sich unter einem Auftritt Gottes vorstellen.

Der Text sagt dreimal fast denselben Satz: Der Herr war nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer. Dreimal steht da, wo Gott nicht ist, bevor ein einziges Mal steht, wo er ist. Was dann kommt, nennt die Einheitsübersetzung „ein sanftes, leises Säuseln“ (1 Kön 19,12).

Da erst hüllt Elija sein Gesicht in den Mantel und tritt aus der Höhle. Zwischen den beiden Texten liegen rund achthundert Jahre, zwei Sprachen und Verfasser, die einander nicht kannten. Wie alt der Elija-Stoff genau ist, ist unter Fachleuten umstritten, sicher ist nur die Größenordnung.

Dass beide an diesem Sonntag hintereinander gelesen werden, ist eine Entscheidung und keine Laune des Vorlesers. Die katholische Leseordnung wählt den Text aus dem Alten Testament, dem ersten Hauptteil der Bibel, in aller Regel mit Blick auf das Evangelium aus.

Zweimal steht ein Mensch mitten im Sturm, und beide Male ist der Lärm nicht die Antwort. Der eine hüllt sein Gesicht in den Mantel. Die anderen fallen im Boot nieder und sagen einen Satz, den vorher keiner von ihnen gesagt hat: „Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du“ (Mt 14,33).

Die zweite Lesung gehört nicht dazu

Zwischen Elija und dem See steht an diesem Sonntag ein Abschnitt aus dem Römerbrief, in dem Paulus über seine Trauer um Israel schreibt (Röm 9,1–5). Mit Sturm, Wasser oder Angst hat er nichts zu tun, und das ist kein Versehen: An gewöhnlichen Sonntagen läuft die zweite Lesung fortlaufend durch einen Brief des Neuen Testaments, unabhängig davon, welches Evangelium gerade an der Reihe ist.

Das lässt sich nachzählen. Zwei Wochen vorher stand Röm 8,28–30 neben dem Gleichnis vom Schatz im Acker, eine Woche vorher Röm 8,35.37–39 neben der Speisung der Fünftausend, an diesem Sonntag folgt Röm 9,1–5. Wer hier trotzdem eine Verbindung behauptet, entwertet damit die echte zwischen Elija und dem Boot.

Was der Text nicht verspricht

Die Geschichte endet nicht damit, dass der Sturm auf einen Ruf hin aufhört. Der Wind legt sich erst, als beide wieder im Boot sind (Mt 14,32). Dazwischen liegt die ganze Strecke: aussteigen, gehen, den Wind bemerken, sinken, gerettet werden.

Nichts davon wird übersprungen, und das ist die unbequeme Seite dieser Lesung. Sie sagt zu, dass jemand da ist, und nicht, dass das Wasser trägt. Wer daraus ein Versprechen auf ruhige Verhältnisse macht, hat den Schluss der Szene nicht gelesen.

Du kennst den Wind

Bei dir heißt er anders. Eine Rechnung, ein Befund, ein Name im Telefon, den du seit Monaten nicht mehr anrufst. Wie im Boot hört er nicht auf, nur weil ihn jemand beim Namen nennt.

Petrus hat nichts Kluges gesagt, als er unterging, und er hatte auch keine Zeit dafür. Er hat drei Wörter gerufen. Das reicht.

Die Lesungen im Überblick

Sonntag, 9. August 2026, 19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A, liturgische Farbe Grün.

  • Erste Lesung: 1 Kön 19,9ab.11b–13
  • Antwortpsalm: Ps 85 (84),9–10.11–12.13–14
  • Zweite Lesung: Röm 9,1–5
  • Evangelium: Mt 14,22–33

Der Antwortpsalm wird zwischen der ersten und der zweiten Lesung gesungen und gehört damit fest zum Wortgottesdienst. Sein Kehrvers an diesem Sonntag lautet: „Lass uns schauen, o Herr, deine Huld und schenke uns dein Heil“ (Ps 85 [84],8).

Quellen

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