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Die Menge wollte ihn stoppen – Jesus blieb stehen

Der blinde Bartimäus rief trotz der schimpfenden Menge weiter. Jesus hörte ihn, fragte nach seinem Wunsch und heilte ihn.

Höre heute auf den Menschen, den andere zum Schweigen bringen.

  • Markus 10,46–52
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Jordan

📩 „WER BIST DU?“ – ER ANTWORTET NICHT MIT SEINEM NAMEN

Eine Abordnung aus der Hauptstadt reist an einen Fluss, um einen Prediger zu befragen, der halb Judäa anzieht. Sie bieten ihm dreimal einen Titel an, den er nur bestätigen müsste. Er nimmt keinen davon, und was er stattdessen sagt, ist merkwürdiger, als du erwartest.

📖 Joh 1,19-3422. Juli 2026

Eine Kommission aus der Hauptstadt reist an

Der Mann steht seit Monaten unten im Jordangraben, dem tiefstgelegenen Landstrich der Erde, wo es im Sommer kaum auszuhalten ist. Er trägt ein Gewand aus Kamelhaar, einen Ledergürtel und lebt von Heuschrecken und wildem Honig. Eine feste Adresse hat er nicht.

Und trotzdem läuft ihm halb Judäa entgegen, aus der Hauptstadt und von den Dörfern. Die Leute steigen in ein trübes Gewässer und lassen sich von ihm untertauchen, nachdem sie vor Zeugen laut gesagt haben, was sie falsch gemacht haben. Das ist keine Zeremonie, bei der man gut aussieht.

Wer so viele Menschen in Bewegung setzt, wird irgendwann interessant für die Zuständigen. Aus Jerusalem kommt eine Abordnung, Priester und Tempelbedienstete, mit einem klaren Auftrag und wenig Geduld. Sie stellen die naheliegendste Frage, die es überhaupt gibt.

„Wer bist du?“ (Joh 1,19)

Sie bieten ihm nacheinander drei Titel an, und jeder einzelne davon hätte ihn in eine sehr komfortable Lage gebracht. Bist du der Messias, bist du Elija, bist du der Prophet?

Dreimal nein. Er könnte an dieser Stelle einfach schweigen und die Leute glauben lassen, was sie ohnehin glauben wollen; stattdessen antwortet er mit etwas, das gar kein Titel ist. Nicht mit einem Amt, nicht mit einer Herkunft, nicht einmal mit seinem Namen.

Ein Mensch, der sich nicht als Person beschreibt

„Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn“ (Joh 1,23).

Stimme. Nicht Prophet, nicht Lehrer, nicht Gründer einer Bewegung. Er sagt nicht, wer er ist, sondern was von ihm zu hören ist.

Halte einen Moment bei diesem einen Wort an, denn es ist mit Bedacht gewählt. Eine Stimme trägt einen Inhalt, der ihr nicht gehört, und niemand behält sie in Erinnerung, sondern das Gesagte. Sie ist genau so lange da, wie sie gebraucht wird, und danach ist es still.

Wer heute gefragt wird, wer er ist, antwortet mit einer Berufsbezeichnung, einem Titel, einer Firma, notfalls mit einer Followerzahl. Alles davon soll bleiben und möglichst größer werden. Dieser Mann antwortet mit einer Funktion, die von sich aus verschwindet.

Bleibt die Frage, die man aus dem Text mitnimmt, ohne es zu wollen: Warum lehnt jemand Anerkennung ab, die ihm freiwillig angetragen wird?

Der Freund, der nicht heiratet

Der Text liefert die Antwort ein paar Kapitel später, und sie steckt in einem Bild, das damals jeder Zuhörer sofort verstanden hat, weil er es selbst schon erlebt hatte.

Bei einer Hochzeit gab es damals eine feste Rolle für den engsten Freund des Bräutigams. Er organisierte das Fest, verhandelte mit der Familie der Braut, holte sie ab und stand am Ende des Abends vor der Kammer, damit niemand störte. Er hatte die ganze Arbeit, und geheiratet hat ein anderer.

Genau dort ordnet sich der Prediger am Fluss ein: „Der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden“ (Joh 3,29).

Er ist nicht der Mann, um den es an diesem Abend geht. Er ist der Mann, der die Tür aufhält und dann draußen bleibt. Und er beschreibt das nicht als Verzicht, sondern als den besten Abend seines Lebens.

Augustinus, Bischof im nordafrikanischen Hippo um das Jahr 400, hat daraus einen Satz gemacht, der die Sache umdreht. Sinngemäß: Der Prediger sei umso größer geworden, je kleiner er sich vor dem Herrn machte. Der Wortlaut steht unten in den Quellen.

Derselbe Bischof benutzt dafür noch ein zweites Bild, das jeder kennt, der schon einmal nachts eine Taschenlampe gehalten hat. Der Mann am Fluss sei nicht das Licht gewesen, sondern die Lampe, die man anzündet, damit man etwas anderes sieht. Auf die Lampe schaut dabei niemand.

Was daran nicht bequem ist

An dieser Stelle könnte man den Text zu einer freundlichen Lektion über Bescheidenheit machen, und dann wäre er harmlos. Er ist es nicht. Der Mann am Fluss hat nicht nur auf Ruhm verzichtet, er hat auch seine eigenen Anhänger weitergeschickt, und mindestens zwei sind gegangen und nicht wiedergekommen (Joh 1,37).

Später sitzt er im Gefängnis, weil er dem Landesherrn öffentlich gesagt hat, dessen Ehe sei nicht in Ordnung. Von dort lässt er beim anderen anfragen, ob der denn wirklich der Richtige sei oder ob man auf einen Weiteren warten müsse.

Das ist die ehrlichste Stelle der ganzen Geschichte. Der Mann, der ihn vor Publikum bezeichnet hatte, wird in der Zelle selbst unsicher, und keiner der Verfasser hat das später herausgestrichen, obwohl es leicht gewesen wäre.

Der Katechismus, das durchnummerierte Handbuch, in dem die katholische Kirche zusammenfasst, was sie glaubt, gibt ihm deshalb eine sehr genaue Rolle: unmittelbarer Vorläufer, gesandt, um den Weg zu bereiten, der Letzte einer langen Reihe (KK 523). Vorläufer heißt, dass er zuerst kommt und nicht das Ziel ist. Das ist keine Herabsetzung, das ist eine Stellenbeschreibung.

Der Satz, der bleibt

Alles, was dieser Mann jemals über sich selbst gesagt hat, passt in sieben Wörter: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30).

Du kennst die Gegenbewegung dazu ziemlich gut. Eine gute Idee in der Besprechung, und die Anerkennung dafür geht an jemand anderen. Ein Kind, das einem Fremden begeistert etwas erzählt, was du ihm beigebracht hast, ohne dich dabei zu erwähnen.

Der Reflex ist dabei immer derselbe, und er ist nicht einmal unberechtigt. Das war meins.

Der Mann am Fluss hat diesen Reflex nicht besiegt, weil er ein besserer Mensch war. Er hatte etwas gesehen, neben dem sein eigener Name nicht mehr wichtig war. Danach ist er im Gefängnis gestorben, und wer heute die Hochzeit meint, auf die er gezeigt hat, redet immer noch von einem Bräutigam und einem Freund.

Quellen

  • Joh 1,19-28 (Einheitsübersetzung 2016) — die Abordnung aus Jerusalem und die dreifache Verneinung
  • Joh 1,23 (Einheitsübersetzung 2016) — „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste“
  • Joh 1,29.35-37 (Einheitsübersetzung 2016) — „Seht, das Lamm Gottes“ und der Weggang zweier eigener Jünger
  • Joh 3,27-30 (Einheitsübersetzung 2016) — der Freund des Bräutigams und „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“
  • Mk 1,4-8 (Einheitsübersetzung 2016) — Kamelhaar, Heuschrecken, wilder Honig und der Zulauf aus Judäa
  • Mt 11,2-6 (Einheitsübersetzung 2016) — die Anfrage aus dem Gefängnis: „Bist du der, der kommen soll?“
  • Mk 6,17-18 (Einheitsübersetzung 2016) — die Festnahme nach der öffentlichen Kritik an der Ehe des Herodes
  • KK 523 — der Täufer als unmittelbarer Vorläufer des Herrn und Freund des Bräutigams
  • Augustinus, Tractatus in Ioannis Evangelium 4 — vgl. die Deutung, der Täufer sei umso größer gewesen, je demütiger er sich bekannte; im Artikel sinngemäß wiedergegeben
  • Augustinus, Tractatus in Ioannis Evangelium 2 — der Täufer als Lampe, nicht als Licht
Katechismus: KK 523
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