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Die Menge wollte ihn stoppen – Jesus blieb stehen

Der blinde Bartimäus rief trotz der schimpfenden Menge weiter. Jesus hörte ihn, fragte nach seinem Wunsch und heilte ihn.

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  • Markus 10,46–52
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⛪ JESU GROSSELTERN STEHEN NICHT IN DER BIBEL – GEFEIERT WERDEN SIE TROTZDEM

Zwei Menschen bekommen jedes Jahr am selben Tag einen Platz im Kalender einer Weltkirche. In der Bibel kommen ihre Namen nicht vor, und das offizielle Messbuch schreibt sogar dazu, dass man nichts Sicheres über sie weiß. Warum der Tag trotzdem steht, überrascht dich vermutlich.

26. Juli 2026

Ein Eintrag, der sich selbst widerspricht

Schlag das deutsche Messbuch beim 26. Juli auf, jenes Buch, aus dem in katholischen Kirchen der Gottesdienst gefeiert wird und das für jeden Tag des Jahres festlegt, was gelesen und gebetet wird. Dort stehen an diesem Datum zwei Namen: Anna und Joachim.

Sie gelten als die Eltern Marias und damit als die Großeltern Jesu. Ein Gedenktag ist ein festgelegter Tag, an dem die Kirche Menschen aus ihrer Geschichte ins Gedächtnis ruft, und dieser hier steht seit Jahrhunderten weltweit im Kalender.

Und im selben Eintrag, wenige Zeilen darunter, steht ein Halbsatz, den eine Werbeabteilung als Erstes gestrichen hätte.

Geehrt werden die Eltern Marias, „über die keine authentischen Nachrichten vorliegen“.

Keine authentischen Nachrichten. Das heißt in der Sprache dieses Buches: als historische Nachricht nichts Belastbares. Kein Geburtsjahr, kein Sterbejahr, kein Wohnort, kein Beruf und kein einziges überliefertes Wort von ihnen.

Man feiert also zwei Menschen und schreibt in dasselbe Buch, dass man über sie nichts Gesichertes weiß. Für eine Institution, der man gern vorwirft, sie verkaufe Legenden als Tatsachen, ist das eine bemerkenswerte Bemerkung.

Woher kommen die Namen dann?

Die Bibel liefert sie nicht. Die ersten Kapitel bei Matthäus und Lukas, den beiden Evangelien, die von der Geburt Jesu erzählen, nennen Maria als junge Frau aus Nazaret und Josef als ihren Verlobten. Marias Eltern kommen dort mit Namen nicht vor.

Wer behauptet, Anna und Joachim stünden in der Bibel, gibt der Überlieferung einen Beleg, den diese Texte nicht hergeben. Die beiden Namen gehören zur christlichen Tradition, also zu der Glaubenserinnerung, in der Namen, Deutungen und Gedenktage über Generationen weitergereicht werden. Nötig ist es auch nicht, den Beleg zu erfinden.

Die Namen stammen aus einem Text, den außerhalb der Fachwelt fast niemand kennt. Er heißt Protoevangelium des Jakobus, gelegentlich auch Kindheitsevangelium des Jakobus, und er erzählt von Marias Kindheit und den Anfängen der Jesusgeschichte. Die Forschung datiert ihn ins zweite Jahrhundert, ein genaueres Jahr ist umstritten.

Dieser Text gehört nicht zum biblischen Kanon, also nicht zu jener Sammlung von Schriften, die die Kirche als Heilige Schrift anerkennt. Fachleute nennen solche Schriften apokryph: frühchristlich, mit der Überlieferung verbunden, aber eben nicht kanonisch. Der Text beansprucht, von Jakobus zu stammen, und die Forschung behandelt diese Zuschreibung nicht als gesicherte Verfasserschaft.

Dort heißen Marias Eltern Joachim und Anna. Dort steht auch die Erzählung von jahrelanger Kinderlosigkeit, von Spott, von langem Gebet, einer Ankündigung und schließlich von Marias Geburt. Das ist der Inhalt eines apokryphen Textes und damit noch keine unabhängig bestätigte Biografie.

Bleibt die Frage, die sich an dieser Stelle unweigerlich stellt. Warum behält eine Institution, die andernorts jede Silbe auf die Goldwaage legt, einen Gedenktag bei, dessen Grundlage sie im eigenen Buch als dünn kennzeichnet?

Die Kirche hätte es leichter haben können

An dieser Stelle wäre Glätten das Naheliegende gewesen, und Zeit dafür gab es reichlich. Man hätte die Herkunft der Namen still verschwinden lassen, den apokryphen Text nachträglich zur zuverlässigen Quelle erklären oder den Gedenktag irgendwann sang- und klanglos aus dem Kalender nehmen können.

Nichts davon ist passiert. Die Namen stehen im Kalender, und der Hinweis auf die fehlenden Nachrichten steht unverändert daneben, in derselben Spalte, für jeden nachlesbar.

Genau darin liegt der Punkt. Eine Erinnerung wird hier ausdrücklich als Erinnerung geführt und nicht als Bericht; die Kirche unterscheidet in ihrem eigenen Buch zwischen dem, was sie weiß, und dem, was sie weitergibt. Ein apokrypher Text kann eine Tradition prägen, ohne dadurch nachträglich zur Bibel zu werden.

Dieselbe Sorgfalt gilt für die frommen Bilder, die es zu diesem Tag reichlich gibt. Papst Benedikt XVI. spricht ausdrücklich von einer schönen Ikonografie, also von religiöser Bildsprache, wenn er das verbreitete Motiv erwähnt, auf dem Anna ihrer Tochter Maria das Lesen der Heiligen Schrift beibringt.

Ein solches Bild trägt eine Aussage darüber, wie Glaube in einer Familie weitergegeben wird. Es beweist kein Klassenzimmer, keine Schriftrolle und keinen dokumentierten Tagesablauf im Haus einer Frau namens Anna.

Wer diesen Unterschied stehen lässt, verliert dabei nichts. Er gewinnt genau die Glaubwürdigkeit, die man an anderer Stelle braucht, etwa wenn es um eine Zeugin geht, die es nachweislich gegeben hat. Ehrlichkeit über die Quellenlage schwächt eine Erinnerung nicht, sie zeigt, worauf sie beruht.

Was von zwei Namenlosen übrig bleibt

Drei Päpste haben diesen Gedenktag in den vergangenen Jahrzehnten mit demselben Thema verbunden, und keiner von ihnen musste dafür auch nur eine Zeile Biografie erfinden. Sie reden über das, was der Tag hergibt.

Benedikt XVI. spricht über Großeltern und über das, was in einer Familie weitergereicht wird, ohne dass jemand es aufschreibt. Franziskus erinnert an die beiden schlicht als Großeltern Jesu.

Johannes Paul II. verbindet den Tag mit der Bedeutung des Alters und der Sorge für alte Menschen. Aus zwei Namen ohne Lebenslauf wird auf diese Weise ein Thema, das jede Familie betrifft.

Das ist der ganze Inhalt dieses Gedenktags, und er kommt ohne einen einzigen erfundenen Lebenslauf aus.

Über die eigenen Großeltern weiß man am Ende auch nicht besonders viel. Ein paar Sätze, die immer wieder erzählt wurden, ein Foto in einer Schublade, eine Redewendung, die in der Familie hängen geblieben ist, und eine bestimmte Art, mit schwierigen Zeiten umzugehen.

Trotzdem sitzt einiges davon in dir und arbeitet weiter, ohne dass du es je bewusst gelernt hättest. Vielleicht fällt dir gerade jemand ein, von dem du etwas Entscheidendes hast, ohne dass er dich je hingesetzt und belehrt hätte. Ein Satz, eine Haltung, die Art, wie jemand in einer schlimmen Zeit einfach dageblieben ist.

Zwei Menschen, über die niemand etwas Gesichertes weiß, stehen seit Jahrhunderten im Kalender einer Weltkirche. Ihre einzige belegbare Spur im Buch der Kirche ist eine Tochter.

Quellen

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